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Höhenangst verschwinde!

Mein Selbst-Experiment.

Höhenangst verschwinde! Da war sie neulich wieder. Und jetzt hänge ich in der Takelage der Rickmer Rickmers. Der Mastkorb, eher eine Mini-Plattform von einem halben Quadratmeter ist am Mast befestigt – über 30 Meter hoch über den Wellen des Hamburger Hafens.
Da hinauf.
Dort will ich hin: Warum? Fragen Sie mich nicht, jedenfalls nicht während ich klettere. Schritt für Schritt. Links, rechts – einatmen, links, rechts ausatmen. Nur darauf konzentrieren. Immer weiter hoch, nicht anhalten, nicht nachdenken, nicht nach unten sehen. Wann wird sie stärker, die Angst? Ich vermute, wenn ich hinunter schaue.  Erst mal eine kleine Pause, non stop wird zu anstrengend. Kurz innehalten und horizontal in die Weite schauen.
Michel

Oh, da hinten, dass ist der Hamburger Michel. Oben schauen dort Leute raus. Die sind die Treppenstufen hoch gestiegen. Mit einer Wand zwischen mir und dem Abgrund würde es gehen, aber hier in den Seilen? Wann kommt sie, die Angst. Ob ich doch mal runterschaue? Nur kurz? Gut.

Der Test

ganz schön hoch..
Eine Sekunde, und dann gleich wieder horizontal. Mmh. Das ging. Insofern, dass die Angst nicht größer wurde. Erst mal weiter, nicht zu viel Denken.  Links, rechts – einatmen, links, rechts ausatmen. Von oben fotografiert mich mein Sohn. Der hat mein Problem nicht. Nach 5 weiteren Höhenmetern wieder eine Kurzpause. Jetzt bin ich doch neugierig und schaue runter, und warte auf die Angst. Also ich habe sie ja schon, aber es wird nicht schlimmer. Mmh.  Sie lässt sogar ein wenig nach. Also weiter.
Takelage
In der Takelage
Aber gleich kommt eine Stelle, da muss man Überkopf greifen, um auf die erste Plattform zu gelangen. Oh, nun hänge ich da und weiß nicht wie ich greifen soll. Von unten ruft jemand hoch: „Einfach Kraft in die Beine geben und weiter!“  Geschafft, die erste Plattform. Zwei Drittel des Weges sind geschafft. Also circa 20 Höhenmeter. Nun wird die Strickleiter schmaler, das macht es nicht angenehmer. Aber die Angst scheint nachzulassen. Dann der Gedanke „runter muss ich auch noch“. Den hebe ich mir für später auf.
Ach so, Hinweis für den Leser: Ich bin angeseilt und werde von unten gesichert. Kann also eigentlich nichts passieren. Doch vorhin sah ich jemanden in der Strickleiter stehen, der traute sich nicht mehr vor und auch nicht zurück. Kam erst nach einer ganzen Weile wieder runter. Doch so schlimm ist es bei mir  nicht. Kontrollblick nach unten. Nein, das geht sogar recht gut. Nun hoch auf die obere Plattform. Pause und den Ausblick testen. Ja, beeindruckend, doch Genuss geht anders. Nun Fotos machen. Wie heißt das noch mal bei den Matrosen auf den Segelschiffen? Eine Hand für den Mann, die andere Hand für das Schiff. Also immer mit einer Hand festhalten. Höhenangst verschwinde!

 Was kann man tun?

Nun habe ich gehört, bei Höhenangst möge man sich ruhig hinsetzen und 20 Minuten in die Tiefe schauen, dann ginge die Angst weg. So lange will ich hier nicht bleiben. Aber die Zeit für das Hochklettern scheint wohl mit zu zählen. Von 10 Angstpunkten hatte ich zu Beginn dieses Segelkletterns so 6-7. Jetzt oben im Mast nach Gewöhnungszeit bin ich  bei 2-3 und kann die Aussicht wirklich genießen.
Hamburger Hafen

Höhenangst verschwinde! Auch in den Bergen

Es begann vor ein paar Jahren, da wurde ich in den Bergen überrascht von fast panikartiger Höhenangst. Die kannte ich vorher nicht. Schwindelfrei war ich schon immer. Auch während der Panik war mir nicht schwindlig. Ich hatte nur diese große Angst, traute mich nicht nach unten zu sehen, hatte Mühe meinen Atem zu kontrollieren. Das dauerte so ca. 20 Minuten und war geringer wenn ich im Klettersteig mit einem Karabiner gesichert war. Am nächsten Tag wollte ich wieder los, um mich allein an den Abgrund zu setzen und einfach abzuwarten und zu beobachten. Doch dann hatte ich es vor Abmarsch derartig im Rücken, dass ich nicht los konnte. Ich schob es auf die schlechten Matratzen.

Höhenangst verschwinde! Auch im Tragschrauber

Dann war wieder Ruhe, bis ich voriges Jahr mit Freunden auf einem Flugplatzfest war. Dort konnte man auch mit dem Tragschrauber fliegen. Das mit der Angst war schon wieder vergessen. Flugangst hatte ich nie. Ich war  beruflich viel unterwegs und Lufthansa Vielflieger. Also Overall an, Helm auf und mit dem Tragschrauber mit geflogen. Kaum waren wir in der Luft, bekam ich wieder diese panikartige Angst. Stufe 8-9 von 10.  Du sitzt wie auf einem Stuhl ohne Seitenlehne, ohne Haltegriff und direkt neben Dir geht es 800 Meter in die Tiefe. Aber man ist ja angeschnallt. So ein Tragschrauber soll ganz sicher sein.  Was mach ich jetzt. Dem Piloten sagen, er soll umdrehen?  Das kann ich immer noch. Ich merke wie ich schnell und tief atme. Das ist nicht so gut, führt zur Hyperventilation. Also ruhig atmen, als ausgebildeter Yogalehrer kann ich jetzt nun mal die praktischen Vorteile des kontrollierten Atems erfahren. Nach 10 – 15 Minuten sinkt die Angst auf Stufe 3-4. Nun bin ich wieder fähig zu fotografieren. Aber ich bin noch ziemlich angespannt. Unten angekommen buche ich den nächsten Flug. Denn das kann ja wohl nicht so bleiben.
Der Pilot erklärt mir beim nächsten Mal, er wüsste ein Patentrezept gegen Flugangst: Einfach den Motor ausstellen und dann erleben, dass der Tragschrauber langsam und kontrolliert hinunter gleitet und auch ohne Motor sicher landen kann. Lieber ein anderes Mal sage ich, und wir fliegen los. Die Angst war zwar da, steigerte sich jedoch nicht zur Panik. Wir sprachen ab, dass der Pilot jede Flugbewegung, Kurs, Kurven etc. vorher ansagte, damit ich mich daran gewöhnen konnte. Mein Plan war, dass ich nächstes Jahr so viel  Tragschrauberflüge mache, bis ich den Flug genießen kann. Habe inzwischen auch schon mal eine Minute per Steuerknüppel unter Anleitung das Fluggerät gelenkt. Doch Wetter und anderes und der Winter kam dazwischen.

 Gut geeignet: Die Rickmer Rickmers

Bei einem Hamburg-Besuch sah ich im Hafen ein Hinweisschild:  „Das schwimmende Wahrzeichen Hamburgs – Klettern auf der Rickmer Rickmers“. So kam das alles.

Was sagt der Therapeut?

Eine psychotherapeutische Überschrift wäre gewesen:  Exposition und Desensibilisierung zur Therapie von Höhenangst. Das klingt aber nicht nach dem, was es für mich war: spannendes Abenteuer und Selbstexperiment mit Mut machendem  Ausgang.

Fotos ©  Wolfgang Meinert, Jonathan Meinert, Ute Niehoff

Kompetenzen einer Führungskraft: Umgang mit Ängsten

Wie gehen Sie als Führungskraft mit Ihren Ängsten um? – Eigentlich dürfte diese Frage in keinem Einstellungsgespräch für eine gehobene Position fehlen. Angst ist ein menschliches Gefühl, das jeden von uns befällt. Es gehört  zu den Kompetenzen einer Führungskraft, mit dieser naturgegebenen Emotion produktiv umzugehen. Ängste bieten schließlich Chancen. Doch stattdessen wird das Thema sowohl im Einstellungsgespräch als auch im Arbeitsalltag unterdrückt, bei sich selbst und bei anderen.

Wovor haben Führungskräfte Angst?

Oder haben Sie keine?

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Die Kompetenzen einer Führungskraft: Kopf in den Sand?
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Fühlen Sie doch Ihrer Angst einmal auf den Zahn.

Zunächst  gilt es zu klären, was Auslöser der Emotion ist. Viele Führungskräfte leiden unter Versagensängsten:

  • Werde ich der Verantwortung meinen Mitarbeitern gegenüber gerecht?
  • Trage ich ausreichend Sorge für die wirtschaftliche Gesundheit der Firma?
  • Halte ich den alltäglichen Druck aus?
  • Werde ich meiner Familie noch gerecht?

Diese  Fragen können ein guter Startpunkt für  eine bewusste Auseinandersetzung  sein. Als konkreten ersten  Schritt empfehle ich die Umformulierung der obigen geschlossenen ja/nein Fragen in  offene Fragen, die eine konkrete inhaltliche Antwort zulassen.  Also:

  • Wie werde ich der Verantwortung meinen Mitarbeitern gegenüber gerecht?
  • Wie trage ich Sorge für die wirtschaftliche Gesundheit der Firma?
  • Wie halte ich den alltäglichen Druck aus?
  • Wie werde ich meiner Familie gerecht?

Damit können Sie die belastenden Fragen in einen Arbeitsmodus bringen. Je konkreter Sie bei der Formulierung der Antworten  werden, desto eher lassen die Ängste nach.

Kompetenzen einer Führungskraft

Viele Manager, insbesondere dann, wenn sie erstmals in einer Position mit Personalverantwortung arbeiten, machen sich  abhängig von einem vermuteten Urteil ihrer Angestellten. Da die Mitarbeiter dieses aber nur selten  offen artikulieren, wächst die Unsicherheit – und mit ihr die Angst: Habe ich die nötigen Kompetenzen einer Führungskraft?

Es geht nicht darum,  wie Ihre Mitarbeiter  Sie beurteilen, sondern ob und wie genau Sie Ihre Rolle als Führungskraft definiert haben und wie Sie dies zunächst für sich selbst ausfüllen. Diese eigene Rolle könnten Sie Ihren Mitarbeitern transparent machen. Dann werden die Mitarbeiter  Sie an dieser Rollenbeschreibung messen und nicht mehr mit den so unterschiedlichen und manchmal unrealistischen Erwartungen vergleichen, die manche Mitarbeiter mitbringen.  Hier hilft es  „den Spieß umzudrehen“ und klar zu machen welche Rollenerwartungen Sie an Ihre Mitarbeiter haben.  Es hilft nicht nur, sondern ist unabdingbare Voraussetzung für gute Führungsarbeit, die Rollen und Erwartungen zu klären.  Denn Mitarbeiter haben auch Ängste und die sind umso größer, je größer die Unsicherheit darüber ist, was von Ihnen erwartet wird.

Haben Sie Ängste – oder  Furcht ?
Häufig werden Angst und Furcht als Synonyme verstanden.

Furcht (< althochdeutsch for(a)hta < gotisch faurhtei) ist das Gefühl einer konkret fassbaren Bedrohung. Sie bezeichnet die Reaktion des Bewusstseins auf eine gegenwärtige oder vorausgeahnte Gefahr.. Im Gegensatz zur Angst ist die Furcht meist rational begründbar und wirklichkeitsgerecht. Quelle: Wikipedia

Furcht hat einen fassbaren Kern. Sie stehen in der Verantwortung und müssen wichtige Entscheidungen treffen. Es ist normal, sich gedanklich damit auseinanderzusetzen und mögliche Konsequenzen ins Auge zu fassen. Und die Angst?

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